16. Oktober 2013 Harald W. Jürgensonn, DIE LINKE

Leserbrief zu: „FOC: Neinver will 2014 starten“


Es ist dreist und unverantwortlich zugleich, wie der spanische Outlet-Betreiber Neinver schon jetzt dabei ist, gegen politische Willensentscheidungen Fakten zu schaffen, indem er Grundstücke in der Grafschaft aufkauft. Mehrere Gutachten haben belegt, dass ein Factory Outlet Center an diesem Standort Millionen Euro Umsatz abzieht – von Adenau bis Neuwied, von Bonn bis Mayen. Remagen, Bad Neuenahr, Mehrheiten in Bonn, Rheinbach und Meckenheim haben sich gegen ein FOC ausgesprochen, aber das scheint Neinver nicht zu interessieren. Kur Beck hat zu seiner Zeit als Ministerpräsident versichert, es werde nur ein einziges Outlet Center in Rheinland-Pfalz geben – und das stehe in Zweibrücken. Die Mainzer Landesregierung hat den ersten Anfragen ganz klar eine Absage erteilt. Bis Andrea Nahles bei einem Wahlkreis-Besuch versicherte, sie werde sich für den Bau eines FOC einsetzen.

Wovor die Linke schon vor Jahren warnte, wurde von Gutachtern bestätigt: Ein FOC in der Grafschaft zieht Kaufkraft in so gewaltiger Höhe aus dem umliegenden Fach- und Einzelhandel ab, dass hier massiv Arbeitsplätze gefährdet und Existenzen vernichtet werden. Die neuen Arbeitsplätze im FOC werden erfahrungsgemäß schlecht bezahlt, es wird kaum existenzsichernde Jobs geben. Schnäppchenjäger werden nur bis zum FOC fahren ohne einen einzigen Cent in Gastronomie und Hotellerie des Umlands zu lassen. Ich nenne das den „Nürburgring-Effekt“, denn auch hier wurde die Bevölkerung belogen („Kostet den Steuerzahler keinen Cent.“), auch hier wurden vollendete Tatsachen geschaffen – einige Wenige stopften sich die Taschen voll, die Bürgerinnen und Bürger gucken in die Röhre (und sitzen auch noch auf den Gesamtkosten).

Es ist kurzsichtig, mit dem FOC kommunale Haushalte sanieren zu wollen statt gegen die Verödung der Umlandkommunen anzuplanen. Langfristig gesichert sind nur die Profite der im FOC angesiedelten Nobelfirmen, langfristig gesichert ist aber auch, dass die Bürgerinnen und Bürger mal wieder zum Schluss kommen: Die machen sowieso nur, was sie wollen – das nennen wir dann hausgemachte Politikverdrossenheit. Mit der Ansiedlung des FOC wird eine ganze Region der Gier geopfert. Der Gier der Konzerne und der Gier der Schnäppchenjäger, denen das Schicksal arbeitslosen Fachpersonals und die Vernichtung von Existenzen in Fach- und Einzelhandel völlig egal ist. Die Linke erwartet von den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung des Umlands, dass sie im Gegensatz zu Kurt Beck zu ihrem Wort stehen: Kein FOC in der Grafschaft.

Harald W. Jürgensonn, DIE LINKE

Wiesenstraße 5

56656 Brohl-Lützing